INTERVIEWS

 

 

METAL-MIRROR schrieb am 23.08.2005

 

Interview mit:

Robert, Klaus, Andreas, Uwe, Andrea, Jochen

Datum:

23.08.2005

Von:

Dorian

 

Einleitung:

Crikey sind eine junge Krefelder Band, die mit ihrem Stil, den sie selber Sphere Metal nennen auf dem Ultima Ratio-Festival überzeugen konnten. Grund genug, um ein Gespräch mit der kompletten Band (mit Ausnahme des zweiten Sängers Chris) in deren Proberaum zu führen, bei welchem sich vor allem Robert und Klaus als die Sprachrohre der Band entpuppen.

 

Interview:

Dorian: Ihr wirkt direkt wie ein lustiger, bunt zusammenfewürfelter Haufen, beschreibt doch einmal wie ihr zur Band Crikey zusammengefunden habt!
Robert: Das hat halt mit mir und Chris als Projekt angefangen, wie man auch in anderen Interviews nachlesen kann. Es war nur als Projekt gedacht und anfangs haben wir noch mit Drumcomputer und so geprobt. Dann kam unser Keyboarder der Uwe dazu und dann wurden es immer mehr Leute, bis das Projekt kein Projekt mehr war, sondern eine richtige Band. Der Klaus (Spangenberg, Sänger - Anm.d.A.) war kurz vorher schon bei Aufnahmen und Proben dabei.
Klaus: Naja, wir haben ein einziges Mal geprobt, wenn man es genau nimmt (lacht).
Dorian: Die Frage, die euch mit Sicherheit schon oft gestellt wurde, ich stelle sie trotzdem mal, ist: Wie kamt ihr auf den Namen Crikey? Und ja, ich weiß, es bedeutet nicht Schreischlüssel!
Jochen: Kam das nicht vom Christoph?
Robert: Nein, das kam von mir. Das haben wir aus dem Pons! Wir suchten da einfach nach einem verrückten Namen, aber du hast Recht, das sind natürlich die Fragen, die immer gestellt werden.
Dorian: Es folgt die Standardfrage nach den Einflüssen, was hört ihr so privat und fließt das mit in die Musik von Crikey ein?
Robert: Mit Sicherheit fließt das irgendwo mit ein, denn spurlos geht Musik nie an einem vorbei.
Dorian: Und wo liegen dann die Einflüsse?
Robert: Meine Faves sind eigentlich Dream Theater. Die finde ich halt geil, aber auch Opeth oder Anthrax. Metal der Achtziger halt. Mit sowas bin ich groß geworden.
Dorian: Was ist mit den anderen?
Robert: Ach die sagen da nix zu! (Gelächter im Raum)
Klaus: Es ist nunmal so, dass Robert das Songwriting macht. Der macht zuerst das Gerüst, dann geben wir unseren Senf zu ab, was aber letztlich nicht viel bewirkt. Somit macht halt der Robert das komplette musikalische. Die Texte und die Hauptgesangslinien macht dann der Christoph.
Jochen: Und wir sind nur die Exekutive, die sagen uns, mach das so und dann machen wir das so! Wir dürfen nix (lacht).
Dorian: Wie würdet ihr denn euren Musikstil beschreiben? Ihr selber nennt es ja Sphere Metal, aber wie ist Sphere Metal definiert?
Robert: Atmosphärischer Metal.
Uwe: Ich sag da nix zu, ich kenne mich da nicht mit aus.
Klaus: Es ist viel Speed Metal, aber auch ne Menge Power Metal. Uns gefällt irgendwo alles mögliche. Da kommt dann auch noch der ganze Death Metal-Krempel mit hinzu. Früher habe ich auch noch viel mehr rumgeschrien, ich bin eben mehr so der klassische Shouter, aber mittlerweile hat sich das so entwickelt, dass ich auch richtig clean singen kann, demnach wird das da in Zukunft auch noch musikalisch mit einfließen. Die Geige wird ebenfalls noch viel stärker dazu kommen oder nicht?
Andrea: Sofern ich darf... (lacht).
Dorian: Du bist jetzt gerade schon sehr auf den Gesang eingegangen, ihr habt zwei Sänger, wie kam es dazu?
Jochen: Weil die Texte zu lang sind (schmunzelt).
Klaus: Das kam irgendwie, weil der Christoph diesen tiefen Gesang sehr gut drauf hat, wir aber irgendwie noch mehr wollten. Wir wollten da weiter ausschweifen und dann hat der Robert ein paar Leute gefragt, ich bin ja eh mehr so der Kreischer / Shouter und dann haben wir das mal probiert und dann ging das so langsam. Aber erstmal mussten die mein Gejaule ertragen (lacht).
Dorian: Wovon handeln eure Texte? Wisst ihr was den Chris inspiriert?
Alle im Einklang: Nur von Liebe!
Jochen: Von Liebe und von Pilgern (lacht).
Dorian: Einige von euch sind noch in anderen Bands tätig, wie lässt sich das alles miteinander vereinbaren? Füllt euch eine Band nicht aus?
Klaus: Das geht ja jetzt mehr an mich. Also wie schon gesagt hat der Robert mich gefragt und ich hab dann einfach mal mitgemacht. Dann haben wir was aufgenommen und vor anderthalb Jahren angefangen als Band zu proben. Wir proben einmal die Woche, da können wir alle und dadurch ist das hier auch ziemlich zusammengewachsen und bisher hat das mit den Auftritten eigentlich gut geklappt, so dass sich da nichts in die Quere kam. Da muss man zur Not immer gucken, was jetzt gerade wichtiger ist.
Dorian: Aber du würdest nicht sagen, dass eine der beiden Bands Vorrang bei dir hat?
Klaus: Hm, also Blood Red Angel ist halt MEINE Band, das ist also irgendwie mein Ding, aber das kommt zur Not immer drauf an. Wenn wir jetzt ein Angebot von der Zeche Carl in Essen haben und an dem selben Tag mit der anderen Band in irgendeinem kleinen Puff spielen könnten, dann sollte einem schon klar sein, was es jetzt mehr bringt. Ansonsten müssen Crikey dann eventuell mal ohne mich spielen, dann singt nur der Chris. Kann im schlimmsten Fall ja auch mal sein.

Dorian: Ihr habt jetzt bisher eine EP - "Welcome To My World" - aufgenommen, wart ihr mit dem Feedback an sich zufrieden?
Robert: Joa, supergeil. Da war nix negatives dabei.
Dorian: Seid ihr dadurch in Kontakt mit irgendwelchen Labels gekommen?
Robert: Also ich habe einige rausgeschickt aber es kommt eigentlich immer die gleiche Antwort zurück: Kein Geld!
Dorian: Ist denn trotzdem in naher Zukunft eine neue Scheibe von euch zu erwarten?
Robert: Auf jeden Fall!
Andreas: Wir stehen da schon in den Startlöchern!
Dorian: Was können wir von der neuen Scheibe erwarten? Wird sie so klingen wie die "Welcome To My World" oder wird sich da einiges verändern, wenn jetzt die Geige mit dabei ist?
Robert: Das wird mit Sicherheit noch um einiges melodischer werden durch die Geige, das ist ganz klar!
Andrea: Bei den neuen Sachen ist die Geige schon stärker integriert.
Klaus: Dann werden wir die Songs von der EP auch nochmal neu aufnehmen, weil wir wollen ja ein richtiges Album machen. Da kommen dann noch so sechs bis elf Songs hinzu, die wir schon fertig im Programm haben und dann mal schauen, was uns so zwischendurch so an Sachen einfällt, die wir da reinpacken oder so.
Dorian: Crikey haben ja auch schon etwas Live-Erfahrung gesammelt, was war denn euer bisher geilstes Konzert? Das Ultima Ratio-Festival?
Klaus: Joa.
Robert: Ganz klar, kann man so sagen.
Dorian: Woran lag das? Größtes Publikum. größtes Feedback?
Robert: Ja wahrscheinlich. Da war einfach eine Menge los, es waren viele Leute da.
Andreas: Obwohl es schade war, dass wir schon so früh aufhören mussten. Das waren ja nur 35 Minuten oder so.
Dorian: Woran lag das?
Robert: Die Russen haben so lange für den Soundcheck gebraucht, vielleicht haben die vergessen ihre Uhr vor- oder zurückzustellen oder sonstwas.
Klaus: Es war auch so, dass die PA schon um vier da sein sollte und um halb fünf sollten die den Soundcheck machen, aber die Anlage stand dann letztlich erst um fünf da und war dann noch nicht betriebsbereit oder so. Wobei für uns das eigentlich gar nicht so schlimm war.
Robert: Das kam uns halt zu Gute, weil als wir anfingen waren dann die Leute alle schon da.
Klaus: Dementsprechend war es nicht so schlimm. Es waren halt dadurch ein oder zwei Songs weniger.
Robert: Was mir einfällt: Letztes Jahr Dong Open Air war auch geil! Da haben wir auch recht früh gespielt, so um halb drei, aber da waren schon viele Leute da.
Andrea; Das war aber musikalisch noch nicht so gut wie in der Zeche Carl, weil wir noch nicht so aufeinander eingespielt waren.
Robert: Stimmt, das war damals auch erst unser zweites Konzert.
Dorian: Ihr habt ja auch mit anderen Bands eine Menge Live-Erfahrung sammeln können, gibt es irgendeine lustige Anekdote, die ihr erzählen könnt?
Klaus: Hm, die besten Sachen fallen einem dann nie so direkt ein. Vieles ist auch nur lustig, wenn man selber dabei ist bzw. war. Geil war schon das Crikeykonzert. Da fehlten den Veranstaltern Mikro, Ständer und Kabel und da sind die losgefahren, kamen nach einer Stunde wieder und brachten ein paar Kabel, nur um dann zu merken, dass da ja auch noch die Ständer etc. fehlten. Dann sind die nochmal mit dem LKW über ne Stunde weggewesen. Ich dachte nur: Das kann nicht wahr sein!
Andreas: Das war eh irgendso 'ne komische Pommesbude. Ohne Witz, da standen rechts so Friteusen.
Jochen: Und die Bühne bestand aus Drei-Euro-Paletten.
Andreas: Und Monitorboxen waren auch keine da und dann haben wir erstmal alle komisch-schief gespielt, weil keiner den anderen gehört hat.
Dorian: Die meisten von euch haben schon ein paar Jahre mehr als ich auf dem Buckel (Empörte Gesichter in der Runde - Anm.d.A.). Es wird oft gesagt, dass der Underground tot sei, stimmt das? War es früher besser in der Metalszene?
Robert: Ja, es war mehr los. Auf jeden Fall! Es gab viel mehr bessere Bands.
Andreas: Vielleicht bessere, aber ich finde heutzutage gibt es so unglaublich viele Bands. Früher hatte man mehr Qualität, jetzt hat man mehr Quantität. Es gab echt eine Zeit vor fünf oder sechs Jahren, da wurde jeder Scheiß produziert. Da kamen Bands auf den Markt, die waren einfach Kernschrott.
Dorian: Möchtest du da Namen nennen?
Andreas: Ne. Ist ja vielleicht auch mehr mein Empfinden. Es gab früher einfach viele Bands, die qualitativ gut waren. Manche davon gefallen mir zwar nicht, aber trotzdem kann man bei denen nicht leugnen, dass sie talentierte Musiker waren, die dann auch gerechtfertigt einen Plattenvertrag erhalten haben. So sehe ich das!
Dorian: Was muss denn in der heutigen Zeit eine Band tun, damit sie aus der Menge rausfällt und in der Metalszene Fuß fassen kann?
Robert: Gute Songs schreiben!
Andreas: Am besten einen eigenen Stil schaffen, aber sowas ist natürlich immer schwer.
Dorian: Sowas wie Sphere Metal?
Robert: Zum Beispiel!
Klaus: Im Underground fallen halt meistens die Bands auf, die etwas Außergewöhnliches machen. Auf welche Weise auch immer. Als damals Bands wie Subway To Sally aufgetaucht sind, war das einfach für viele interessanter, weil da plötzlich keine Band mit zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug und ein Typ der hoch oder tief singt stand, sondern da irgendwie viel mehr passierte.
Dorian: Kann man denn heute noch etwas neues, innovatives erschaffen oder ist alles schon gemacht worden?
Klaus: Das ist schwer zu sagen. Früher lief das irgendwie anders. Da hat man eine komplett neue Musik kreiert und jetzt kann man eher in den Kombinationen versuchen einen eigenen Stil zu finden. Ein Vorteil ist, dass der Sound immer besser wird. Ein gutes Studio kostet nicht mehr viel Geld. 1985 hast du dich noch dumm und dusselig gelatzt, wenn du einen akzeptablen Sound haben wolltest. Mittlerweile kannst du dir echt für kleines Geld gutes Equipment zulegen und wenn du noch recht pfiffig bist auch nen guten Sound hinkriegen.

Dorian: Das wäre es dann schon fast. Zum Abschluss noch unser lustiges Frage-Antwort-Spiel. Sagt einfach was euch zu dem jeweiligen Begriff einfällt! 'Dong Open Air'.
Uwe: Gulasch.
Klaus: Geile Atmosphäre.
Jochen: Gutes Wetter.
Robert: Gutes Fesitval, sollte aber nicht mehr größer werden.
Andreas: Preiswertes, kaltes Bier!
Andrea: Kalt?
(Eine Diskussion über die Temperatur des Bieres auf dem Dong Open Air entsteht - Anm.d.A.)
Dorian: 'Schymy's Pub' (Metalkneipe in Krefeld - Anm.d.A.).
Andreas: Endgeil!
Klaus: Der Typ (gemeint ist Inhaber "Schymy" - Anm.d.A.) ist einfach ein Original!
Jochen: Beste Kneipe in Krefeld.
Andreas: Naja, das Ding kann man nicht wirklich als richtige Kneipe sehen. Wenn ich rausgehe und will mir als normaler Mensch ein Bier trinken, dann ist das für mich nicht irgendeine normale Kneipe. Der Laden ist wirklich auf Konzerte ausgerichtet.
Dorian: 'Krefeld'.
Andreas: Musikerpolizei. Früher war das immer so, wenn man hier aufgewachsen ist und Musik macht, dass man unbedingt besser sein wollte als die Nachbarband. Das war dann echt immer so, dass man bei den Auftritten von denen nicht abfeierte, sondern eher guckte, wann passiert denen der erste Fehler.
Dorian: 'Alkohol'.
Jochen: Nur in Maßen....
Dorian: Letzter Begriff 'Kreator'.
Klaus: Dieses Jahr aufm Wacken hatten sie einen schlechten Tag. Ansonsten eine meiner Lieblingsbands von früher.
Andreas: Die konnten sich ja schon früher mit richtig großen Bands aus den USA messen. Waren schon immer sehr geil!
Dorian: Ok, das war es schon. Die letzten Worte gehören euch:
Uwe: Gulasch!

 

 

 

 
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