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Metal-Mirror   schrieb am 25.10.2005

Event: Neckbreaker Festival
   
Ort: Mülheim a.d. Ruhr, Star Club
   
Datum: 22.10.2005
   
Genre: Diverse
   
Line-Up: Excrementory Grindfuckers + Symbiontic + Nordafrost + Ravage + Crikey
       

Das Neckbreaker-Online-Zine (ein Gruß an dieser Stelle an die Kollegen) veranstaltete an diesem Abend des 22.10. zum dritten Mal ihr Neckbreaker Festival im Star Club in Mülheim. Besonders vielversprechend wirkte das Line-Up an diesem Abend, welches sich aus Szenegrößen wie Ravage oder natürlich den kultigen Excrementory Grindfuckers zusammensetzte.

Als erste Band des Abends standen die Heimatgenossen von Crikey auf dem Plan. Die junge Band, die einige Ruhrpottler schon auf dem diesjährigen Ultima Ratio bezaubern durfte, ringt einem das erste Staunen bei dem ersten Blick ab. Eine Band, die einen Death Metal-Grunzer, einen Thrash Metal-Shouter und eine Violinistin auf einer Bühne präsentiert, verdient alleine Respekt für den Mut zur Experimentierfreudigkeit. Das diese Mischung, die die Krefelder selbst Sphere Metal nennen, gut klingt, wusste ich schon vom Ultima Ratio, allerdings machte der Band um das Gesangsduo Klaus Spangenberg (Blood Red Angel) und Chris Mieves (Grind Inc., Hate Factor) der Sound heute Abend das Leben schwer. Rückkopplungen bis zum Umfallen, das Schlagzeug zu sehr nach Proberaum klingend, die Geige leider viel zu leise und auch die Stimmen wechselten zu schnell und oft die Lautstärke. Dafür konnte die Band nichts, denn selbige spielte sich buchstäblich den Arsch ab und begeisterte letztlich mit einer Coverversion von Kreators "Phobia". Crikey waren an diesem Abend in gewisser Weise die Versuchskaninchen in Sachen Sound. Klar, dass besonders bei einer Band, die viele Elemente wie beispielsweise Violine und Keyboard gleichzeitig im Einsatz hat, schlechter Sound doppelt schwer zu Buße schlägt. Hut ab vor Crikey, die den Kopf dennoch nicht hängen ließen, sondern mutig und motiviert durchhielten.

Setlist Crikey:
Chaos
Beg For
At Last
Dreamt To
Future
Leave
Arise From
With(in) Sanity
Phobia


Es folgten die Lokalhelden von Ravage mit ihrem Hochgeschwindigkeits-Thrash. Sänger Lordbier, der heute seinen Namen mit einem riesigem Bierbottich alle Ehre machte, präsentierte dem nun akzeptabel gefüllten Star Club seine volle Bandbreite an extremen Metal-Vocals. Sei es das tiefe Grunzen des Death Metals, das Shouten des Thrash Metals oder das Krächzen des Black Metals, der Blondschopf hat alles in seinem Repertoire. Der Sound war bei Ravage etwas besser und so konnten Ravage gute Resonanzen vom Publikum erbeuten. Am meisten Spaß machten die Songs der neuen Scheibe, wie "Into Your Demise", "Holycaust" und der Abschlusssong und Titeltrack "Get Fucking Slaughtered". Kein Wunder, dass es da Zugaberufe regnete und die Offiziellen des Abends Ravage noch einen kurzen Song gönnten. Rundum definitiv eine gelungene Sache und der Beweis, dass Ravage ihren Lokalhelden-Status nicht zu Unrecht haben!

Setlist Ravage:
Blasphemic War
Infinite Hate
Havoc Command
Vow Of Desecration
Into Your Demise
Nuclear Storm
Disinfestation
Holycaust
Get Fucking Slaughtered
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Riddled

Nordafrost standen auf dem Plan, eine Band, die mir als Schwarzmetaller mehr als nur einmal als Underground-Tip empfohlen wurden und mit voller Spannung erwartete ich den Auftritt des Dreiergespanns. Nordafrost betraten dann auch unter den Introklängen die Bühne und räumten direkt mit "Battle Of The Winterhordes" mächtig ab. Der auf der Bühne introvertiert wirkende Sänger, der sich Svartis nennt, zückte alle Register des Black Metal-Keifens und bediente gleichzeitig noch die Gitarre. Mit dem gewissen schön-faszinierenden Mix aus Rohheit, Primitivität, musikalischer Versiertheit und frostiger Boshaftigkeit hatten die Hagener von Sekunde eins an die wenigen Black Metaller im Griff. Leider waren von denen nicht sonderlich viele anwesend, so, dass vor der Bühne nur sehr wenige Fans standen. Der Rest vergnügte sich unverständlicherweise an der Bar, denn Nummern wie "Dominus Frigoris", "Only Shades Remain" oder "Lyn Og Torden" ballern wie Sau und sind einen gesicherten Stand im Black Metal-Underground wert. Zum Abschluss gab es dann noch eine mehr oder weniger gelungene Cover-Version von Immortals "Blashyrkh (Mighty Ravendark)" und alle Blackies waren zufrieden. Es bleiben nur ein paar Fragen offen, wie der Grund dafür, warum Sänger und Gitarrist Svartis andauernd Bassisten Demonic anrempelt, warum selbiger als Bassist einer Black Metal-Band mit Nine Inch Nails-Shirt auf die Bühne klettert und wie man es nur wagen kann, "Blashyrkh" ohne den legendären Basspart zu spielen.

Setlist Nordafrost:
Intro
Battle Of The Winterhordes
Lyn Og Torden
Dominus Frigoris
Assault
Nocturno Culto
Defense
Only Shades Remain
Autumn's Armageddon
Dungeons
Apocalyptic
Frozen Paths
Blashyrkh (Mighty Ravendark)

Es war ein Abend der Geheimtip-Bands, denn auch Symbiontic eilt ein Ruf als überaus überzeugende Death-Kapelle vorraus. Dennoch verwunderlich und bemerkenswert, wie viele Besucher das Shirt der Band aus Bochum trugen. Mit "Ascending Of The Blackest" und "Soulraped" eröffnete die Band um den bulligen Sänger den Auftritt und spätestens bei "Shotgun Surgery" hatten Symbiontic den großen Teil der Halle überzeugt, was darin mündete, dass es zu keinem Zeitpunkt des Abend mehr so voll werden sollte und auch nicht vorher war, wie bei den Bochumern Deathern. Mich persönlich hauten Symbiontic nicht vom Hocker, da ich sie als sehr solide aber mit zu wenig Tiefgang empfand. Mit dieser Meinung stand ich wohl alleine da, denn am Ende bedauerte die Meute, die sich vor der Bühne angesammelt hatte, dass für Symbiontic schon Schluss war.

Setlist Symbiontic:
Ascending Of The Blackest
Soulraped
Psycho
Bloodpath
Chainsaw Smile
Demon
Shotgun Surgery
Flamewinged Majesty
A Cold Day In Hell

Es war Headliner-Zeit. Über die Excrementory Grindfuckers braucht man nicht mehr viel sagen. Jeder in der deutschen Metalszene kennt sie und mit ihrer durchgeknallt-bekloppten Art sind die Hannoveraner absoluter Kult. Ihr Mix aus Schlager und Grindcore ist meist ein Garant für Maximum Party. Doch nicht so heute. Die Halle war teilweise wie leergefegt und die Resonanzen vom Publikum waren besonders zu Beginn des Gigs noch sehr schwach, was auch die Band bemerkte. Auch Kultsong "Looking For Grindcore" konnte das Eis noch nicht brechen. Erst mit dem Gespann aus "Im Graben vor mir", "Ein bisschen Grind muss sein" und "Vater Morgana" punkteten die Grindfuckers und schafften es, dass man halbwegs über den miserablen Sound hinwegsah, der einem wieder viel Ohrenschmerz durch Rückkopplungen verursachte und von Sänger und Front-Bekloppten him immer lustig kommentiert wurde. Richtig Stimmung gab es, als Rob & Co das Intro von "Raining Blood" in den kaum gefüllten Star Club feuerten, doch leider sind solche Späße so schnell vorbei, wie sie kamen und kein Garant für ein dankbares Publikum. Am meisten angefressen von der mäßigen Resonanz schien Gitarrist und Bandchef Rob, der sich schonmal das ein oder andere Mal von der Bühne verzieht, um sich ein Bier zu holen und auch sonst für allerlei Späße zu haben ist, wie bei der Limp Bizkit-Verarsche "Grindin'" den Rapper zu mimen. Den Abschluss machte natürlich mal wieder "Wann spielt ihr endlich wieder Grindcore" und zurück blieb ein gemischter Eindruck. Überschattet wurde der Auftritt von dem miesen Sound. Ein weiteres Manko ist, dass, wenn man wie ich die Grindfuckers das dritte Mal sieht, der gewisse Oha-Effekt ausbleibt und der Humor etwas zu eintönig wirkt. Als Abschlussmanko muss noch erwähnt werden, dass die Grindfuckers nicht sonderlich motiviert wirkten und mehr oder weniger ihr Set runterdudelten, was auch daran liegen mag, dass nach dem Auftritt auf einem Festival wie dem PartySan, ein beinahe leerer Star Club sehr demotivierend wirken muss. Mal sehen, wie es beim nächsten Mal wird.

Setlist Excrementory Grindfuckers:
Schwanz
Porngrind
Excrementory
Looking For Grindcore
Karamba
Grind It Yourself
Güllepille
Im Graben vor mir
Grindin'
Ein bisschen Grind muss sein
Beds Are Grind
Vater Morgana
Jesus
Glockenkantate
Picknick
You're My Grind, You're My Core
Grindcore For The Masses
Hallo Bomme
Final Grinddown
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Es gibt kein Grind auf Hawaii
Hossa! Mexicore
Grindcore Out Of Hell
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Wann spielt ihr endlich wieder Grindcore?

     
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Eingetragen von: Dorian

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